Macht und Ohnmacht

Wie aber kommt es zu einer derart drastischen Zunahme medizinischer Eingriffe während Schwangerschaft und Geburt? In einem Beitrag des Magazins der Aktion Unabhängiger Frauen (AUF) in Österreich heißt es dazu:

MedizinerInnen sind auf eigene Absicherung bedacht. Sie gehen daher immer von der ärgsten Möglichkeit aus. Sie können die Gratwanderung, wie weit eine Frau sich selbst beurteilen kann und wann nicht, meist gar nicht vollziehen, am allerwenigsten begleiten, da sie die schwangeren Frauen nicht kennen, oder im krassesten Fall, wie oben beschrieben, nicht einmal gesehen haben. Geräte und technische Infrastruktur werden aus Rentabilitätsgesichtspunkten maximal eingesetzt und nicht unbedingt danach, ob sie wirklich nötig sind. Es ist jedoch davon auszugehen, dass Sorge und Angst der werdenden Mutter die Befunde der technisierten Medizin negativ beeinflussen können.

Mutter und Kind nach der Geburt Die Wiener Ärztin Marina Markovich hat sich in ihrer Arbeit mit dem Umgang mit Frühgeborenen auseinandergesetzt. Der Übermacht medizinischer Apparate hat sie entgegensetzt, was es seit Urzeiten gibt: die Wärme der Mutter. Statt Frühchen zu intubieren und medizinischen Tests zu unterziehen, die den so eben angekommenen Menschen in Todesangst versetzen, liess sie die Kinder sofort zu den Müttern. Diese nahmen ihre Frühgeborenen liebevoll auf ihre Brust und wärmten sie. Der Erfolg gab Frau Dr. Markovich Recht. Es überlebten mehr Kinder auf diese Weise, als durch medizinische Interventionen.

Über die hohe Bereitschaft von Medizinern, Frühgeborene technisch aufzupäppeln, sagt Frau Dr. Markovich in einem Vortrag:

Das war vielleicht auch die Angst der Ärzte, dass diese Kinder, solange sie in der Gebärmutter leben, ja ein völlig unterstütztes und abhängiges Leben führen. Die Mutter atmet für das Kind – so kommt Sauerstoff zum Kind. Die Mutter isst – so kommen Kalorien zum Kind. Die Mutter produziert Wärme – so hat das Kind warm. Es ist also ein völlig abhängiges und unterstütztes Leben, das das Kind in der Gebärmutter führt. Wenn es diesen Schutz jedoch zu früh verliert, da hat sich die Medizin offenbar aufgerufen gefühlt, in diesem Moment sofort einzuspringen und alles das, was das Kind durch die frühe Geburt an Unterstützung verloren hat, medizinisch wieder beizubringen: Es zu beatmen, es zu beheizen, mit Flüssigkeit zu beschicken. Und aus dieser Angst heraus haben wir nach der Geburt wahrscheinlich zu viel und zu aktiv gehandelt.

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