Der Staat spricht von der Erziehungsfreiheit der Eltern. Was für ein Gegensatz, wo Erziehung doch gerade Unfreiheit bedeutet. Schließlich ist Erziehung ein einseitiges Machtverhältnis. “Erziehungserfolge” sind umso deutlicher zu erkennen, je subtiler der Erziehende seine Macht gegenüber dem Objekt der Erziehung ausüben kann. “Misserfolge” in der Erziehung ziehen meist deutlich sicht- und spürbare Konsequenzen nach sich, je nach Einstellung des Machthabers.
Das Verhältnis zwischen Staatsgewalt und Bürger ist ebenfalls ein Abhängigkeitsverhältnis, so selbstverständlich, wie jenes zwischen Eltern und Kindern. Es wird selten noch hinterfragt. Der Staat macht die Regeln. Wer diese nicht befolgt, hat Konsequenzen zu tragen. Je gesetzestreuer der Bürger ist, desto weniger offensichtlich ist ihm die Machtausübung des Staates. Widerspricht der Bürger, der ja den Staat macht, der Staat ist, der Staatsgewalt, droht Ungemach. Je heftiger der Widerspruch, desto drastischer die erzieherischen Maßnahmen.



















