Zur Würde des Menschen gehört das Maß an Selbstbestimmtheit, welches ihm zur Verfügung steht oder – wie in manchem Schicksal – zur Verfügung gestellt wird. Um die Frage der Selbstbestimmtheit, der Freiheit des Einzelnen, ging es heute bei einer Fachtagung mit Erik Bosch in der Stephanus-Stiftung. Erik bot allen das Du an. Er arbeitet als Heilpädagoge und Lehrender in Sachen respektvoller Begegnung. Ein Mal fragte er, ob wir als Arbeitende in Sozialberufen mit unseren Klienten tauschen würden. Da stieg in mir die Frage auf, wie frei entsprechende Antworten eigentlich sein könnten – immerhin geht es für die arbeitenden Menschen in Sozialberufen auch um die Frage der eigenen Existenz, wenn es sich dabei um Kritik an ihrem Arbeitgeber oder den rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen handelt.

In Sozialberufen gilt es, immer wieder die Beziehung zum Klienten (Patienten, Bewohner usw.) in den Mittelpunkt der Betrachtungen zu stellen. Wie aber sieht es mit den Beziehungen aus, die mich als Tätigen umgeben – die Beziehungen zu meinen Vorgesetzten und Einrichtungsleitern? Wie kann ich Kritik üben an der Grundhaltung (also an der Beziehung) gegenüber unseren “Kunden”, wenn der Kritisierte zugleich über meine Weiterbeschäftigung zu entscheiden hat?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde meinen Kollegen und mir die Freiheit schaffen, tatsächlich sozial entscheiden und arbeiten zu können. Unabhängig von Existenzsorgen könnte dann tatsächlich der Mensch im Mittelpunkt stehen – anstatt wie bisher: die Mittel.

Wie viele Menschen begegnete ich Konflikten oft mit Respekt, manche versuchte ich zu vermeiden, andere trug ich aus, wieder andere lösen sich – so hoffte ich manchmal – von selbst.

Durch einen Hinweis von Ariane Korth wurde ich auf ein interessantes Buch aufmerksam: Begegnung fördern. Liv Larsson, die Autorin, hat eine interessante Ansicht zum Thema: “Für mich sind Konflikte wie leicht verderbliche Lebensmittel – schon nach kurzer Zeit fangen sie an zu stinken und ihr Verwesungsgeruch breitet sich aus.” In ihrem Buch zeigt Larsson, wie Konflikte mit Hilfe der Gewaltfreien Kommunikation genutzt werden können, um wieder miteinander in Verbindung zu treten.

Nicht immer lässt sich eindeutig zuordnen, wer einen Konflikt begonnen hat. Vielleicht ist auch die Frage viel wichtiger, wieso wir immer wieder in derartige Kreisläufe geraten, uns im Recht sehen und den Anderen herabwürdigen wollen.

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Die EuleDer Begriff der Freiheit wird in etwa so inflationär verwendet wie “Liebe” oder “Verantwortung”. Es soll ja geistige, politische, ökonomische, soziale, emotionale, künstlerische sowie die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit des Marktes usw. geben.

Wenn das so wäre, würde das bedeuten, das an Freiheit mindestens eine Bedingung geknüpft ist. Das ist hochinteressant, da Freiheit selbst also nicht frei von Bedingungen wäre. Ist es dann noch Freiheit? Oder ist es lediglich der Versuch einer Annäherung? Was bedeutet, mehr Freiheit wagen?

Was bedeutet es, daß Freiheit nur dann Freiheit ist, wenn sie bedingungslos ist?
Warum lässt sich Freiheit scheinbar so schwer erreichen? ► Gesamten Artikel lesen

Im Jugendmagazin Jetzt der Süddeutschen berichtet Tina Baier über die Fachtagung ‚Doing Family’ am vergangenen Mittwoch und Donnerstag in Berlin. Ihre These: ‚Männer wollen sich in der Familie engagieren, doch meist genügen sie ihren Ansprüchen nicht’. Ihr Resultat: ‚die Väter scheitern!’

Die Beiträge der anwesenden Forscher legen aber eine differenziertere Sicht nahe

“Die jungen Männer sind ziemlich verzweifelt auf der Suche nach Leitbildern”, sagte Karin Jurczyk vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) auf der Fachtagung  ”In unserer Gesellschaft gibt es kein positives Bild von Männlichkeit, das Väterlichkeit mit einschließt.”

Auffällig ist, dass gerade Männer, die vor der Geburt des ersten Kindes für Gleichberechtigung in der Partnerschaft eintreten, sich später sogar weniger an Erziehung und Haushalt beteiligen als Männer, die sich an einem traditionellen Familienbild orientieren. Fabienne Becker-Stoll vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München glaubt, dass dies auch an den Frauen liegt. Nach ihrer Erfahrung wünschen sich vor allem Paare aus der gut ausgebildeten Mittelschicht eine gleichberechtigte Partnerschaft. Wenn das erste Kind kommt, lasse sich jedoch immer wieder dasselbe Muster beobachten: Die zuvor beruflich sehr engagierte Mutter stürzt sich mit demselben Elan auf ihr “neues Projekt Kind”. Dem Vater bleibt oft kaum Raum, sich zu beteiligen. ► Gesamten Artikel lesen

Betreuungsgeld, Pflichtbesuch von Schule und Kindergarten. Der Staat greift immer weiter in das Erziehungsrecht der Eltern ein. Im Grundgesetz der Bundesrepublik steht geschrieben:

Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Die aktuellen Entscheidungen der Politik laufen dem offenkundig zuwider. Die Initiative Familienschutz wirbt für neues Verständnis von und neue Politik für Familien. Hedwig Freifrau v. Beverfoerde, Sprecherin der Initiative Familienschutz, stellt die Arbeit der Gruppe in einem Interview auf FreieWelt.Net vor.

Aus Kinder, die man nicht liebt, werden Erwachsene, die nicht lieben.

Mirjam Gebhardt ist Historikerin an der Universität Konstanz und forscht über Erziehung im 20. Jahrhundert. In einem Artikel für die ZEIT geht sie den Ursachen der zunehmenden Kinderlosigkeit auf den Grund und fördert Erstaunliches zu Tage. Noch immer ist das Erziehungsbild der älteren Generationen geprägt von der Härte der 1930er Jahre. Was die Kinder von damals ihren Kindern weitergegeben haben, sitzt noch immer fest im kollektiven Bewusstsein: Kinder ruhig mal schreien lassen, Stillen nach Zeitplan, Strenge und Unterordnung. Ein Umgang mit Kindern, der an ihren und unseren natürlichen Bedürfnissen völlig vorbei geht.

Ein Blick auf den historischen Diskurs zu den Themen Geburt, Säugling, Kleinkind mag weiterhelfen. Hören wir den erfolgreichsten deutschen Erziehungsexperten zu, wie sie früher werdende Eltern auf ihren Nachwuchs eingestimmt haben. Die berühmteste deutsche Ratgeberautorin aller Zeiten war Johanna Haarer, NSDAP-Mitglied und im »Dritten Reich« die staatlich empfohlene Expertin in Sachen Kinderkriegen. Liest man die von ihr verfassten Bestseller (unter anderen Die deutsche Mutter und ihre erstes Kind), macht man eine überraschende Entdeckung: Aus ihren Werken, die im höheren Auftrag der NS-Bevölkerungspolitik standen, spricht eine unverhohlene Abneigung gegen das werdende Leben: Wir lesen ihre konstanten Warnungen vor »erbkrankem« Nachwuchs, ihre Panikmache vor der Geburt (»ein Schlachtfeld«), ihre Empfehlung, das Kind vor dem Stillen erst mal ein bis zwei Tage lang nach der Entbindung hungern zu lassen, ihre Schilderung der Machtkämpfe ums Schlafen und Sauberwerden. Hat man sich durch alle abscheulichen Details der Säuglingspflege durchgearbeitet, bleibt eines hängen: Mit der Geburt eines Kindes beginnt ein existenzieller Kampf. Auf der einen Seite die deutsche Mutter – auf der anderen, ja was eigentlich? Ein großhirnloses Wesen, instinkt- und machtgesteuert. Schon an der Brust verursacht dieser emotionale Zombie Schwierigkeiten, stellt sich »trinkfaul«, will nur »lutschen«, und schlimmer noch, will nicht begreifen, dass er nur um 6, 10, 14, 16 und 20 Uhr zu essen bekommt. Wenn er schreit, schreibt Haarer, wird er richtig gefährlich. »Dann, liebe Mutter, werde hart! Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder es auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen. Das Kind begreift unglaublich rasch (…). Nach kurzer Zeit fordert es diese Beschäftigung mit ihm als ein Recht, gibt keine Ruhe mehr, bis es wieder getragen, gewiegt oder gefahren wird – und der kleine, aber unerbittliche Haustyrann ist fertig.«

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