Wie viele Menschen begegnete ich Konflikten oft mit Respekt, manche versuchte ich zu vermeiden, andere trug ich aus, wieder andere lösen sich – so hoffte ich manchmal – von selbst.
Durch einen Hinweis von Ariane Korth wurde ich auf ein interessantes Buch aufmerksam: Begegnung fördern. Liv Larsson, die Autorin, hat eine interessante Ansicht zum Thema: “Für mich sind Konflikte wie leicht verderbliche Lebensmittel – schon nach kurzer Zeit fangen sie an zu stinken und ihr Verwesungsgeruch breitet sich aus.” In ihrem Buch zeigt Larsson, wie Konflikte mit Hilfe der Gewaltfreien Kommunikation genutzt werden können, um wieder miteinander in Verbindung zu treten.
Nicht immer lässt sich eindeutig zuordnen, wer einen Konflikt begonnen hat. Vielleicht ist auch die Frage viel wichtiger, wieso wir immer wieder in derartige Kreisläufe geraten, uns im Recht sehen und den Anderen herabwürdigen wollen.
Zum Kreislauf von Gewalt und Rache schreibt Larsson beispielsweise:
Rache basiert auf dem Gedanken, dass der andere etwas falsch gemacht hat – und wer etwas falsch macht, verdient Strafe. So kommt es zu einer Eskalation, zu einer Spirale von Rache und Gegenrache, in der beide Parteien sich fortan drehen und aus der niemand mehr einen Ausweg weiß. Beide vertreten denselben Standpunkt: “Ich weiß, was richtig ist” oder: “Ich habe die Gerechtigkeit auf meiner Seite”. In einem sich endlos wiederholenden Prozess tauschen “Opfer” und “Täter” in der Rachespirale die Rollen: Derjenige, der zuerst “Täter” war, wird zum “Opfer” und umgekehrt.
Ich glaube, dass wir uns rächen, weil wir es gelernt haben und nicht, weil es unserer Natur entspricht. Wir haben gelernt, uns von Gewalt unterhalten zu lassen, z.B. von Filmen, deren Botschaft auf der Vorstellung basiert, dass Gewalt zu Frieden führt. Die “Bösen” bekommen ja nur das, was sie für ihr falsches Handeln verdienen. Die “Guten” erweisen den “Bösen” beinahe einen Dienst, wenn sie diese bestrafen, weil sie ihnen die Chance geben, zu verstehen, dass sie falsch gehandelt haben und sich ändern sollten. Sie haben nun die Strafe bekommen, die sie verdienen, und gemäß dem Mythos, dass Gewalt zu Harmonie führt, ist die Sache geklärt, sobald die Strafe erduldet wurde.



















