Robert Harsieber hat ein sehr schönes Plädoyer für mehr Menschlichkeit verfasst.
Harsieber schreibt:
Die Welt ist voller Kriegsschauplätze – müßig, sie alle aufzuzählen. Sogar die Amerikaner wissen seit 9/11, dass es keiner Zugbrücke über die Weltmeere bedarf, die sie bisher abgeschottet haben. In Europa leben wir seit einem halben Jahrhundert im Frieden, aber manche brauchen Fußballplätze, U-Bahnen oder ähnliches, um wenigstens hier Unfrieden zu stiften. Für rechte Recken ist das Paintball-Spielen unmodern geworden, stattdessen tummeln sie sich in Internet-Foren und betätigen sich als Kampf-Poster, um wenigstens hier Krieg gegen Moslems, Linke, Grüne oder sonst Andersgläubige zu führen. Oder sie demonstrieren – sogar mit dem Kreuz in der Hand – gegen Moscheen und Kulturzentren. Moderaten und normal Denkenden kommt das Grausen. Anscheinend brauchen wir Krieg – um von uns selbst und der eigenen Behinderung abzulenken, die eigene Leere zu füllen, den starken Mann zu spielen oder was auch immer.
Gerade der letzte Satz des zitierten Absatzes erinnert mich an einen lesenswerten Text von Willi Maurer, auf den ich immer wieder gern aufmerksam mache: Die Wiege der Gewalt – oder das weggelegte, ohnmächtige Baby im Gewalttäter:
Wir haben es in der Hand dies zu ändern, indem wir uns der Gewaltbereitschaft in uns zu stellen beginnen und in Betracht ziehen, wirkliche Präventivmassnahmen zu fördern. Die wichtigste davon ist, die ursprünglichen menschlichen Bedürfnissen zu erkennen und Neugeborene dorthin zu legen, wo sie hingehören: an den Leib ihrer Mutter.
Doch da kann es notwendig sein, dass werdende Eltern erst einmal mit ihrem eigenen inneren Kind Kontakt finden. Das bedeutet z.B. dass die postpartale Depression bei Müttern als das erkannt wird was sie ist: ein Zeichen für das Berührtsein des eigenen inneren, zu kurz gekommenen Kindes. Dasselbe gilt für Väter die mit (oft hinter rationalen Argumenten versteckter) Eifersucht auf die Zuwendung ihrer Partnerin zum Baby, reagieren. Wenn Eltern (und Pflegepersonal) dies zu erkennen beginnen, kann ihnen eine liebevolle kompetente Hilfe bei der Trauerarbeit, zur Annahme ihr inneren Kindes, von grossem Nutzen sein.
Erst wenn Schmerz und Ohnmacht als Botschafter von etwas Übergangenem erkannt werden, öffnen sich Möglichkeiten zur wirklichen Gewaltprävention.
