Der Beitrag analysiert Ursula von der Leyens außenpolitische Grundsatzrede vom 9. März 2026 aus historisch-materialistischer Perspektive. Die These: Der proklamierte Macht-Realismus ist keine neutrale Reaktion auf geopolitische Verwerfungen, sondern die Hegemoniesicherung transnationaler Kapitalinteressen unter veränderten Bedingungen. Reale Bedrohungen – Russlands Krieg, Chinas Aufstieg, transatlantische Instabilität – werden dabei nicht geleugnet, wohl aber ihre kapitalistisch vermittelte Bearbeitung kritisch befragt. Im Rückgriff auf Adorno, Cox und Gill wird gezeigt, wie strukturelle Alternativen aus dem Diskurs ausgeschlossen, Klasseninteressen als europäisches Allgemeinwohl verkleidet und imperiale Extraktionsverhältnisse im Vokabular der Resilienz fortgeschrieben werden.
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